Diskussionsrunde mit Spitzenpolitikern - September 2017

Deutschland braucht ein leistungsstarkes Handwerk – ökonomisch wie gesellschaftlich. Nachhaltige Unternehmensführung in Zeiten des gesellschaftlichen Wandels sorgt dabei für Beständigkeit und Verlässlichkeit. Doch Gründung im Handwerk erscheint oft schwierig und Betriebsübernahmen, sowie Generationenwechsel in bestehenden Betrieben durch zu viel Bürokratie oft unnötig erschwert. Anders als bei den zahlreichen "StartUps" im wirtschaftlichen Bereich, werde über die Gründung im Handwerk zu wenig gesprochen, kaum Notiz genommen, wenig Unterstützung geleistet.

Diesen und anderen kritischen Einwänden stellten sich am Montag, dem 11. September, in der Ax Holzbau GmbH die FDP Spitzenpolitiker Carsten Seelmeyer (Bundestagsdirektkandidat der FDP), Nicola Beer (Generalsekretärin der Bundes-FDP) und Lenke Steiner (Jungunternehmerin und Mitglied der Bürgerschaft in Bremen), die zur "Diskussionsrunde mit Spitzenpolitikern" geladen hatten. Sie wollten das Thema "Gründertum im Handwerk" mit jungen heimischen Handwerksmeister im regen Meinungsaustausch erörtern und dabei über die Herausforderung diskutieren, die jungen Gründern im Handwerk begegnen und Geschäftsübernahmen in der zweiten oder dritten Generation (plötzlich Chef!) mit sich bringen.

Der stellvertretende Kreishandwerksmeister Andreas Groß, der mit Geschäftsführer Sebastian Hoffmanns im Zuge der Veranstaltung vor allem das duale Ausbildungssystem als Erfolg im Handwerk garantierende Säule betonte, machte auch deutlich, dass "dem Handwerk zu mehr positivem Prestige" verholfen werden müsse. Dies sei eine Aufgabe, die prarallel zu oder gegen "den herrschenden Trend zur Akademisierung" bereits in der Schule beginnen müsse. Die duale Ausbildung sei ein schützenswertes Erfolgsmodell, das dringend exportiert werden sollte, was die im europäischen Vergleich extrem niedrigen Zahlen im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit belegen.

Dieser Auffassung pflichteten die Liberalen bei. "Ausbildung gehört in die Betriebe und die Berufsschule", ließ Nicola Beer verlauten. Das Vorhaben der SPD und der Grünen wieder eine "Ausbildungsabgabe" einzuführen, die im Endeffekt die Betriebe belaste, damit der Staat die Ausbildung übernehmen könne, sei unsinnig und falsch. Man wolle in Sachen Entbürokratisierung dem Handwerk entgegen kommem und entsprechend der Stärkung der Ausbildung handeln, betonte auch Carsten Seelmeyer. Lenke Steiner fügte zudem hinzu, dass die duale Ausbildung ein "weltweit einzigartiges Instrument" sei, zu dem auch ohne Wenn und Aber der Erhalt der Meisterqualifikation gehöre.

Während unter dem Publikum zunächst der Einwand aufkam, es fehle bei den Lehrlingen oft auch "ein gewisses Maß an Grundausbildung", welches Ausbildungsverhältnisse oft scheitern ließ, war man sich schnell einig, dass in den Fächern Mathematik, Deutsch und Naturwissenschaften das Niveau bereits in den Schulen angehoben werden müsse. Steiner legte dazu die Einführung des Faches "Wirtschaft in der Schule" als Vorschlag vor und betonte, dass es notwendig sei "Schule neu zu denken". Beispielsweise in dem man den Weg frei mache für Möglichkeiten in den höheren Schulklassen neben der Schule eine Lehre absolvieren zu können. Somit habe man beim Abgang von der Schule bereits "eine abgeschlossene Lehre in der Tasche" und gleichzeitig werde auf diesem Wege die Wertschätzung des Handwerks gesteigert.

An dieser Stelle möchten wir noch einmal betonen, dass die Veranstaltung das Ziel hatte, das nachhaltige Im-Gespräch-Beiben mit der Politik auf allen Ebenen zu stärken und unseren jungen Handwerkskolleginnen und Kollegen eine Plattform zu bieten, ein für sie relevates Thema mit wichtigen Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft erörtern zu können. Da die FDP uns mit dem Themenvorschlag der Veranstaltung eine passende und günstige Gelegenheit dazu anbot, entschieden wir uns, diese zu nutzen und unsere Mitgliedsbetriebe zu einem Besuch einzuladen. Wir weisen darauf hin, dass wir als Kreishandwerkerschaft Lahn-Dill damit keine Parteisympathien oder politische Richtungsnähe zum Ausdruck bringt.

Geschäftstelle Wetzlar

Haus des Handwerks

Seibertstraße 4, 35576 Wetzlar
Postfach 1946, 35529 Wetzlar

06441 42567
06441 46542
info@kh-lahn-dill.de