Dauerleihgabe der Fleischerinnung an das Stadtmuseum Wetzlar

Die aus der Geschichte der Fleischerinnung Wetzlar noch vorhandenen Akten und Gegenstände finden eine neue Heimat im Stadtmuseum Wetzlar. Als Dauerleihgabe. Dr. Bettina Hardtert (Hüttenberg), Obermeisterin der Fleischerinnung Lahn-Dill, und ihr Stellvertreter Frank Göbel (Ballersbach) übergaben gemeinsam mit Sebastian Hoffmanns, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Lahn-Dill, die Dokumente im Beisein von Wetzlars Kulturdezernent Jörg Kratkey an Museumsleiterin Anja Eichler.

Vor einem Jahrzehnt konnte die Fleischerinnung Wetzlar ihr 650-jähriges Jubiläum feiern. Mittlerweile sind weitere zehn Jahre ins Land gegangen. Eine wahrhaft lange und nachweisbare Geschichte aufgrund einer alten Urkunde anno 1358 aus dem Stadtarchiv, die die Existenz einer Metzgerzunft - neben anderen Handwerkszünften - in Wetzlar erwähnt und damit historisch belegt. Die heutige Fleischerinnung versteht sich im Sinne einer Interessenvertretung des Gewerks und seiner Mitglieder als Nachfolger der alten Metzgerzunft. Und das sicher mit vollem Recht.

Die Geschichte der Fleischerinnung Wetzlar ist also lang, leider allerdings - wie in vielen anderen Fällen auch - nicht gut und schon gar nicht vollständig belegt. Dokumente fehlen, weil sie im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte nicht nachhaltig archiviert wurden. Was die Fleischerinnung Wetzlar betrifft, befanden sich Dokumente und Gegenstände aus der Historie in einer Truhe, die seit langem in den Räumen der Kreishandwerkerschaft in Wetzlar stand. Nach der zum Jahresbeginn 2018 erfolgten Fusion der Fleischerinnungen Wetzlar und Dillenburg zur Innung Lahn-Dill ist auch die Geschichte der selbständigen Innung Wetzlar zum Ende gekommen.

Diese Zäsur nahmen Kreishandwerkerschaft und Innung zum Anlass, den noch vorhandenen historischen Nachlass in die Obhut des Stadtmuseums Wetzlar zu geben. Und dort ist er laut Leiterin Anja Eichler sehr willkommen, stelle er doch eine sehr gute Ergänzung der Gewerbegeschichte der Stadt dar. Im Brauwesen und bei den Bäckern sei das Museum bereits im Besitz von Archivmaterial, der Bereich Metzger habe dagegen "Pionierstatus". Deshalb stehe es dem Museum sehr gut an, mit dem doch relativ umfangreichen Material nun den Bestand ergänzen zu können. Eine öffentliche Präsentation bedürfe allerdings noch gezielter Vorbereitungen.

 Die Innungstruhe enthält neben zwei "Meisterkrügen", Pokalen ähnlich, zahlreiche Protokollbücher mit Aufzeichnungen von Innungsversammlungen aus den letzten 100 Jahren, historische Fachliteratur aus dem Fleischerhandwerk und vor allem auch - und besonders wertvoll - zwei Hefte mit Abschriften aus den Zunftbüchern vergangener Jahrhunderte. Dieser Arbeit unterzog sich in den 1930er Jahren der Wetzlarer Oberschullehrer Wilhelm Waldschmidt. Und schuf damit wichtige historische Dokumente sozusagen "aus zweiter Hand" für die Erinnerungskultur der heimischen Fleischerinnung.

Des Weiteren gehört auch das Banner der ehemaligen Fleischerinnung Wetzlar, geschaffen im Jahr 1958 anlässlich des 600-jährigen Jubiläums, zu dem historischen Material, das nun nach Ansicht aller Beteiligten im Stadtmuseum den ihm gebührenden und angemessenen Platz gefunden hat.

 

Text & Foto: Ewert

Geschäftstelle Wetzlar

Haus des Handwerks

Seibertstraße 4, 35576 Wetzlar
Postfach 1946, 35529 Wetzlar

06441 42567
06441 46542
info@kh-lahn-dill.de